Die besten Gravelbikes versuchen, genau in der Mitte zu landen: sicher genug, um Spass zu haben, und schnell genug, um dich wach zu halten. Was hat das Specialized Crux DSW Comp also zu bieten? Ist es ein Rennvelo mit einer Identitätskrise? Reicht es aus, um selbst die langweiligsten Offroad-Fahrten zum Erlebnis zu machen?
Um diese Fragen zu klären, habe ich das "leichteste Alu-Gravelbike" auf einer Auswahl der besten schottischen Schotter- und Asphaltstrecken getestet. Eine Mischung aus grob und glatt, oft nass, schnell und hügelig.






Die aufgeräumte Optik spiegelt sich auch in den simplen Rahmendetails und dem wunderbaren Verzicht auf unnötige Spielereien wider. Eine runde 27,2 mm Sattelstütze, ein 68 mm BSA-Tretlager, drei Bidonhalter-Befestigungen, 47 mm Reifenfreiheit und, was am wichtigsten ist: keine innenliegende Zugverlegung durch den Steuersatz. Ich bin der Meinung, dass dieses Feature an Offroad-Velos nichts verloren hat, auch wenn ich verstehe, dass einige Leute diesen aufgeräumten Look bevorzugen. Über Schutzblechösen würde ich mich sehr freuen, aber das kann man wohl von einem in Kalifornien entworfenen Velo nicht erwarten.
Die 40 mm breiten Pathfinder-Reifen deuten auf den vorgesehenen Einsatzbereich des Velos hin. Da der aktuelle Trend zu immer breiteren Reifen geht, hätte ich es begrüssen, wenn die Reifenfreiheit ab Werk voll ausgeschöpft würde. Ich rechne es Specialized jedoch hoch an, dass sie nicht versuchen, das Crux zu etwas zu machen, was es nicht ist. Schliesslich hat Specialized für die abenteuerlicheren/gröberen Gravel-Touren das Diverge im Programm.
Für Bremsen und Antrieb sorgt die mechanische SRAM Apex XPLR, kombiniert mit einer grosszügigen Kassette (11-46 Zähne) und einem 40-Zähne-Kettenblatt. Vorne und hinten kommen 160 mm Bremsscheiben zum Einsatz.
Die DT Swiss Felgen sind ein schönes Detail, aber dieses Logo wirst du auf den OEM-Naben (Erstausrüster-Naben) nicht finden – eine Massnahme, um die Kosten niedrig zu halten, wie es in dieser budgetfreundlicheren Preisklasse üblich ist.
Das Comp-Modell ist der einzige Komplettaufbau, der für dieses Velo angeboten wird. Ich bin jedoch froh, dass auch ein Rahmenset erhältlich ist – eine Option, die ich mir von mehr Marken wünschen würde.
Der serienmässige Flare-Lenker (nach aussen gestellte Lenkerenden) ist ziemlich breit. Er ist mit 42 cm angegeben, misst am Oberlenker aber eher 43 cm und an den Lenkerenden 47 cm. Dies wird mit einem 100 mm Vorbau kombiniert, was für ein agiles Handling und viel Hebelwirkung beim Sprinten sorgt.
Die Pathfinder-Reifen mit hellbraunen Seitenwänden (Tan-Wall) passen optisch hervorragend, und mit zwei Bidonhaltern aus Edelstahl wirkt das Velo wie aus einem Guss. Ich komme nicht umhin zu denken, dass klassische silberne Speichen und Naben den Look, den Specialized hier anstrebte, perfektioniert hätten, aber das Schwarz fügt sich auch schön unauffällig ein.
Specialized positioniert das Crux DSW als die erschwinglichere Version des Carbon-Crux, und tatsächlich ist die Geometrie identisch. Um ein ähnliches Fahrgefühl zu erreichen, nutzt Specialized die "D'Aluisio Smartweld Technology" – ein patentiertes Fertigungsverfahren, bei dem die Rohre stark hydrogeformt werden, um stabilere Schweissnähte zu erzeugen und Gewicht zu sparen. Am deutlichsten ist dies im Bereich des Tretlagers zu sehen: Das Gehäuse und das Unterrohr sind aus einem einzigen Rohr geformt. Die Schweissnähte sind zwar nicht geglättet, aber du wirst kaum sauberere Verbindungen an einem anderen in Serie gefertigten Alu-Velo finden. Das ist etwas, womit sich das Crux DSW wirklich von seinen Mitbewerbern abhebt. Ich finde, dass Specialized dies bei seiner gesamten Aluminium-Produktpalette perfekt umgesetzt hat.
Insgesamt ist das Crux DSW ein ziemlich attraktives Velo. Einfache Formen und Linien, die die Geometrie und das Design für sich selbst sprechen lassen.

Die Laufräder sind in Ordnung. Einfache Naben und Speichen sowie eine ordentlich breite Felge mit 24 mm Innenmass. J-Bend-Speichen sind leicht zu ersetzen und in den meisten Velo-Läden erhältlich, und die Naben mit Industrielagern können gewartet werden. Dieser Laufradsatz sollte also für viele Jahre ein zuverlässiges Arbeitstier sein. Allerdings führen diese durchgehend gleich dicken Speichen zu einem steifen, hölzernen Fahrgefühl. Für eine bessere Performance würde ich mir einen hochwertigeren Laufradsatz zulegen.
Die SRAM Apex Bremsen lassen sich gut dosieren, aber es fehlt ihnen bei höheren Geschwindigkeiten und auf steileren Abfahrten an absoluter Bremskraft. Die Form der Bremsgriffe (Hoods) ist jedoch hervorragend, und die Hebel bieten einen grossen Einstellbereich – was für Personen mit kleineren Händen sehr nützlich ist.
Eine Sache hat mich jedoch gestört: Durch den ausgestellten Lenker (Flare) drückte die Kante der eckigen Bremshebel auf meine Hände. Ich konnte zwar eine bequeme Position finden, halte es aber für erwähnenswert, falls du an Schmerzen in den Händen leidest.
Ein 1-fach-Antrieb (1x) glänzt auf hügeligem und technischerem Terrain, wo schnelles Schalten wichtig ist, um die Kontrolle über den Gang zu behalten. Bei höheren Geschwindigkeiten auf der Strasse fühlt er sich jedoch einschränkend an. Ich ertappte mich oft dabei, wie ich zwischen dem 12er- und 11er-Ritzel hin und her schaltete, um eine angenehme Trittfrequenz zu finden. Auf Abfahrten liess ich es dann eher rollen, obwohl ich sonst, besonders oberhalb von 45 km/h, gerne noch weiter in die Pedale getreten hätte. Für die meisten Situationen ist der Antrieb mehr als ausreichend, aber wenn du in einem Rennen den entscheidenden Vorteil suchst oder mit der lokalen Strassen-Trainingsgruppe mithalten willst, wünschst du dir wahrscheinlich einen 2-fach-Antrieb.
Dies war mein erstes Mal mit dem mechanischen Double Tap-System von SRAM. Im Gegensatz zu Shimano verwendet SRAM einen Sperrklinkenmechanismus, der nicht über zwei separate Hebel, sondern über einen einzigen Schalthebel gesteuert wird. Das System gibt es schon eine ganze Weile, und ich hatte im Montageständer bereits durchzogene Erfahrungen damit gemacht. Beim Fahren war ich anfangs überrascht, wie intuitiv es funktionierte. Es schaltet reibungslos, begleitet von einem befriedigenden Klacken des Schalthebels. Leider war ich im Laufe der Zeit doch etwas frustriert davon. Wenn man versucht, nur einen Gang hochzuschalten, verschaltet man sich oft, und der Hebelweg, der nötig ist, um mehrere Gänge auf einmal zu schalten, ist extrem lang – nicht ideal für Personen mit kleineren Händen.
Die für mich am wenigsten nachvollziehbare Komponente ist der Lenker. Ich verstehe diesen Trend zu extrem breiten Dropbar-Lenkern mit extremem Flare wirklich nicht. Während ich mich an den Bremsgriffen wohlfühlte, schienen die unteren Lenkerenden (Drops) so weit entfernt zu sein und brachten mich in eine so tiefe Position, dass ich sie kaum nutzte. Sie gaben mir auch kein zusätzliches Vertrauen oder eine bessere Kurvenlage.
Schliess die Augen und stell dir vor, du fährst eine Abfahrt auf dem Rennvelo. Denk nach: Wie steuerst du durch die Kurven? Mit der Hüfte, richtig? Du drehst den Lenker nicht wie das Lenkrad eines Autos. Bei hohen Geschwindigkeiten auf dem Crux brachte mir der Lenker also keinen Vorteil, sondern verschlechterte lediglich meine Aerodynamik auf der Strasse. Bei niedrigen Geschwindigkeiten auf engen, technischen Trails verbesserte er zwar das Handling, aber ganz ehrlich: Auf solchem Terrain wäre ich lieber auf meinem Mountainbike unterwegs, damit hätte ich deutlich mehr Spass.
Ja, dein abenteuerorientiertes Gravelbike mag davon profitieren. Das Crux ist aber nicht so ein Velo; es ist ein straffes, wendiges, sportliches Velo mit Semi-Slick-Reifen. Meiner Meinung nach passt der Lenker einfach nicht zu dem, was Specialized hier erreichen möchte. Zum Glück erlaubten mir das Standard-A-Head-Cockpit und die aussen verlegten Bremsleitungen, mit meiner Position zu experimentieren. Sobald ich die Passform meines Rennvelos adaptiert hatte, machte das Crux plötzlich sehr viel mehr Sinn.
Bevor ich dieses Velo bekam, verglich ich die Geometrie mit meinen Rennvelos. Ich war überrascht festzustellen, dass Stack und Reach fast identisch waren. Der Reach war lediglich 10 mm länger. Auf der Strasse fühlte es sich also tatsächlich sehr ähnlich an und man hatte sich schnell daran gewöhnt. Der längere Radstand und der flachere Lenkwinkel sorgen für die nötige Stabilität im Gelände. In langen, gezogenen Kurven und bei hohen Geschwindigkeiten fühlte es sich sehr stabil und berechenbar an; eine leichte Abkehr von den Cyclocross-Wurzeln des Crux. Diejenigen, die das klassische Fahrgefühl eines Cyclocross-Rennvelos suchen, müssen sich vielleicht anderweitig umsehen, aber eine echte Cyclocross-Geometrie ist heutzutage ohnehin schwer zu finden.
Das Crux bergauf zu steuern fühlte sich sehr vertraut an, und es fühlt sich keinesfalls wie ein Velo an, das über 9 kg wiegt. Mit erstaunlich viel Steifigkeit aus solch schlanken Kettenstreben nimmt das Crux kräftige Tritte in die Pedale klaglos hin. Selbst an sehr steilen Anstiegen im Gelände konnte ich die Traktion am Hinterrad aufrechterhalten, während das Vorderrad fest auf dem Boden blieb. Zum Spass habe ich mit dem Crux einen kleinen Sprint auf einen Hügel hinauf zum Stirling Castle gemacht; ein kurzer, knackiger Anstieg, der mit einem Kopfsteinpflaster-Abschnitt endet. Das Crux hat das hervorragend gemeistert; ich bin den Asphalt hinaufgeflogen und fühlte mich auf dem Kopfsteinpflaster sicher.
Wenn man die Steigung und die Unebenheiten des Trails erhöht, stösst man sehr schnell an die Grenzen. Das Crux ist nichts für harte Mountainbike-Strecken. Wenn du jedoch bereit bist, diese Grenzen auszuloten, bietet es eine extrem spassige Fahrt – ein richtiges "Auf-der-Rasierklinge-reiten"-Gefühl, wenn du dich traust. Vielleicht drehen sich dann sogar die Mountainbiker nach dir um...
Es ist ein Velo mit fantastischem Handling auf Asphalt und unbefestigten Strassen, das altbekannten Routen und unspektakulären Trails eine neue Dimension verleiht.
Preis-Leistung
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels findet man dieses Velo für unter 2'300 CHF, aber für den Vergleich werde ich die unverbindliche Preisempfehlung heranziehen.
Preis-Leistung ist bei diesem Velo ein interessantes Thema; der Preis positioniert das Crux gegen Einstiegsvelos mit Carbonrahmen, wie das Giant Revolt Advanced 1 und das Cube Nuroad C:62 ONE. Und im Vergleich zu anderen Alu-Velos wie dem Trek Checkpoint ALR ist es deutlich teurer. Wo liegt also der Wert?
Specialized hat mit den DSW-Rohren einen extrem hochwertigen Rahmen gefertigt, mit exzellenten Schweissnähten und Lackierungen, sowie den unkomplizierten, praktischen Details. Ich habe das Gefühl, dass man genau dafür bezahlt: ein hochwertiges Metall-Velo, das mit ähnlich teuren Carbonvelos mithalten kann. Und in der Unterkategorie "Performance-Gravel" sehe ich nicht viele Alternativen aus Aluminium.

Aufbau | Die mechanische SRAM-Schaltung enttäuscht. Das standardmässige Cockpit ist unverständlich. Schnelle Reifen, die bei Nässe allerdings etwas rutschig sind. | 6/10
Performance | Das Handling auf unterschiedlichstem Terrain ist für ein Velo dieser Preisklasse sehr gut, mit einem Fahrgefühl, das vergessen lässt, dass es sich um ein Alu-Velo handelt. Der zu breite Lenker bremst es jedoch leicht aus. | 9/10
Gewicht | Schwer, aber es fühlt sich beim Fahren nicht so an. | 8/10
Preis-Leistungs-Verhältnis | Auf den ersten Blick schwach. Aber die Fahrqualität ist das eigentliche Verkaufsargument. | 7/10
Gesamt | | 78 %
Autor
Sam Marshall








